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Essay zum Themenschwerpunkt „Sicherheit“ von Sigrid Kannengießer

Der Begriff der Sicherheit erfährt in verschiedenen gesellschaftlichen Bereichen und auf verschiedenen Ebenen unterschiedliche Bedeutungen, daher ist mir eine Diskussion des Begriffs ohne eine weitere inhaltliche Eingrenzung nur stichwortartig möglich. Auf individueller Ebene bedeutet Sicherheit v.a. die existentielle Sicherheit von Individuen: Sicher kann sich fühlen, der/die nicht von psychischer und physischer Gewalt bedroht ist und dessen/deren Existenz materiell gesichert ist. Auf der Makroebenen ist Sicherheit ein nationalstaatliches Ziel: Politische Maßnahmen werden ergriffen, um das gesellschaftliche System mit seinen Individuenzu erhalten. Zu den für den Erhalt ergriffenen Strategien zählen auch solche, die die Sicherheit von anderen gefährden. Die militärischen Einsätze europäischer Truppen in Mali und Afghanistan sind Beispiele solcher Maßnahmen, die die Menschen in Europa vermeintlich schützen, die Existenz der Menschen in den Interventionsgebieten aber bedrohen.

In einer Diskussion über Sicherheit ist also zu klären: Wer muss gesichert werden und vor wem oder was? Sicherheit ist demnach relational zu denken: Menschen müssen vor anderen Menschen geschützt werden, aber auch vor Naturkatastrophen oder sich selbst. Relational ist Sicherheit aber auch, weil Sicherheit interdependent zu anderen Begriffen wie Freiheit oder Gleichheit steht. Die Debatte um die Vorratsdatenspeicherung zeigt z.B., dass für die (vermeintliche) Sicherheit vor Terrorismus und Kriminalität die Freiheit der Einzelnen eingeschränkt werden kann/soll/muss oder eben auch nicht.

Auch im Hinblick auf die Nutzung (neuer) Medien wird die Einschränkung des Einzelnen wiederholt diskutiert: Wenn sexistische Formate wie die Fernsehsendung „Who wants to Fuck my Girlfriend?“ im deutschen Fernsehen ausgestrahlt werden, stellt sich die Frage, ob die beteiligten Gäste sowie die Rezipierenden nicht vor einemsolchen Format geschützt werden müssen. Wie weit aber darf Zensur hier gehen ohne dass die Meinungs-­ und Pressefreiheit bedroht wird? Auch die Entwicklung neuer Medien bringt neue Fragen der Sicherheit mit sich: Wie sicher sind die Daten, welche Facebook-­NutzerInnen auf Ihre Profile stellen und wie sicher sind die NutzerInnen selbst vor Cyber-‐Mobbing oder Cyber-Stalking? Aus diesen Fragen, die neue Medien provozieren, wird deutlich, dass Sicherheit ein Prozess ist, der neuen Herausforderungen begegnet und damit immer neu gedacht und hergestellt werden muss.

Eine dieser (neuen) Herausforderungen ist in der derzeitigen Finanzkrise die der Umverteilung. Denn wird die Kluft zwischen Arm und Reich größer, so nehmen auch die sozialen Spannungen zu. Südafrika ist ein Beispiel für ein Land, in dem die extreme Ungleichheit zu einer hohen Gewalt-­‐ und Kriminalitätsrate führt. Wenn politische Maßnahmen zur Erreichung von Sicherheit entwickelt werden, so sind sowohl national als auch international immer auch Fragen der Gerechtigkeit mitzudenken.

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