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Thorsten Faas referierte beim Treffen des Gesprächskreis von 9.-10. November 2012 zum Thema Bundestagswahl 2013 zur Frage, inwieweit sich Umfragen auf Wahlverhalten auswirken.

Den Anfang seines Vortrags widmete Thorsten Faas einer eine Kreislauflogik der Demoskopie: Auftrag zur Umfrage > Datenerhebung > Datenanalyse > Berichterstattung > Wahrnehmung > Effekte > neuer Auftrag

  1. Auftraggeber: Nate Silver, Wahlforscher des NYT-Blogs Fivethirtyeight, argumentiert, dass interne Umfragen von Seiten beteiligter Parteien im Fall von Wisconsin im Durchschnitt einen 6-prozentigen Bias aufwiesen.
  2. Datenerhebung: große Unterschiede nach Umfragemodus, Ausschöpfungsquote, Feldzeitraum und Fragestellung. Im Bereich des Umfragemodus ist eine starke Zunahme von Onlinebefragungen zu beobachten, die eine komplett andere Logik verfolgen. Hinsichtlich der Ausschöpfungsquote ergeben sich neue Probleme weil viel mehr Menschen über kein Festnetz mehr verfügen, was zu Verzerrungen führen kann. Ein sehr großes Verzerrungspotential liegt aber in einem Bias bei der Formulierung der Fragestellung.
  3. Berichterstattung: Durch selektive Auswahl konfligierender Umfrageergebnisse werden Umfrageergebnisse für tendenziöse Berichterstattung missbraucht. Thorsten Faas brachte das Beispiel, wie an einem Tag zwei genau gegenläufige Umfrageergebnisse zur Piratenpartei veröffentlicht wurden (einmal von 4% auf 5%, einmal von 5% auf 4%), sich die Berichterstattung aber ausschließlich auf zweiteres Umfrageergebnis abstellte („Piraten fliegen aus dem Parlament“).
  4. Wahrnehmung: Umfragen werden vor allem von Personen mit stärkerem Politikinteresse wahrgenommen (z.B. FDP-WählerInnen).
  5. Effekte: Verschiedene, auch gegenläufige, Umfrageeffekte sind denkbar: a) Affektive Prozesse: Konformitätswunsch/Isolationsfurcht, der Wunsch zu gewinnen, Mitleid; b) Kognitive Prozesse: Signalempfang, Signalverarbeitung, Strategisch-taktisches Wahlverhalten

Thorsten Faas‘ Fazit: es lässt sich nicht klar sagen, dass Umfragen schaden oder nützlich sind.

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