Schlagwörter

, , ,

Jasmin Siri, Miriam Melchner und Anna Wolff präsentierten ausgewählte Ergebnisse einer empirischen Untersuchung der Aktivitäten von politischen Parteien und PolitikerInnen auf Facebook. Ihre Präsentation ist online zugänglich auf Prezi.com.

Vorab stellt sich die Frage, inwieweit eine Analyse der Nutzung neuer Medien mit jenen Maßstäben analysiert werden kann, die auch für die Beurteilung des Einsatzes klassischer Medien herangezogen werden. Siris diesbezügliche Eingangsthese: „Lautes Getöse bei gleichzeitig hoher Ahnungslosigkeit,“ untermauert durch untenstehendes Video von der CDU Mediennight:

Als Grund für den Fokus auf Facebook führte Melchner dann die überragende Reichweite und Bedeutung von Facebook im Social Web an. Datenbasis der Studie bildeten ein Fragebogen an 100 MdBs (Rücklauf: 20), vier ExpertInneninterviews und eine Vollerhebung sämtlicher Seiten von Bundestagsabgeordneten auf Facebook.

Im Ergebnis zeigt die Untersuchung, dass es zwar kaum Unterschiede in der Nutzung von Facebook zwischen Frauen und Männern gibt, jedoch große Unterschiede nach Parteizugehörigkeit – hoch bei den Grünen, niedrig bei CDU/CSU – und Alter. Erwartungsgemäß sinkt die Wahrscheinlichkeit von Facebooknutzung mit steigendem Alter.

Im Rahmen der qualitativen Befragung zeigten sich stark verschiedene Einstellungen gegenüber Facebook. Einerseits wurde die Schnelligkeit und Direktheit der Kommunikation via Facebook gelobt, von anderen jedoch Oberflächlichkeit beklagt.

Besonders interessant war eine genaue Analyse des konkreten Nutzungsverhaltens. Hier zeigt sich sehr deutlich, dass persönlichere Beiträge viel stärkeren Response unter den NutzerInnen in Form von Kommentaren und „Likes“ hervorrufen als bloße Sachinformationen. Hinzu kommt, dass Regelmäßigkeit und speziell für Facebook geschriebene Beiträge mehr Resonanz finden.

Schließlich wurden von den Befragten Unterschiede zwischen dem Online-Vorbild Obama-Wahlkampf und der Situation in Deutschland thematisiert. Hier dominiert, durchaus auf Grund entsprechender Erfahrungen, die  Einsicht, dass sich Best-Practices aus dem Obama-Wahlkampf nicht ohne weiteres auf die deutsche Situation umlegen lassen.

In ihrem Fazit kritisiert Siri, dass neue Medien von alten Diskursen dominiert werden und wendet sich gegen die Trennung zwischen „echter“ und „virtueller Realität“. Vielmehr besitzt jedes Medium seine eigene Logik und plädiert für eine medientheoretische Beobachtung, die stärker den „Eigensinn“ von Medien in Rechnung stellt. Im Falle von Facebook wird die Eigenlogik des Mediums am besten durch die zentrale Frage „Was machst Du gerade?“ symbolisiert.

Für die politische Praxis ist deshalb die Einsicht zentral, dass man es immer nur mit Teilöffentlichkeiten zu tun hat. Gerade bei Facebook ist das Publikum bereits ein stark vorselektiertes und die Dominanz des „Likes“ bzw. das Fehlen des „Dislikes“ drängt Dissens in den Hintergrund. Vor allem aber lebt Facebook-Kommunikation von der schnellen Reaktion und der zeitnahen Anschlusskommunikation. Es geht also um Präsenz, um Gegenwart, um das Jetzt.

Advertisements